Das Berufskolleg Kartäuserwall erlebte einen Tag bei HOYA

Am 23.05.2012 machten sich Auszubildende der Mittelstufe der Augenoptiker aus dem Bereich Medizintechnik vom Berufskolleg Kartäuserwall in Köln mit ihren Lehrerinnen Frau Susanne Freischmidt und Frau Christine Bergholz auf den Weg nach Mönchengladbach zum Glashersteller HOYA.

Um 10 Uhr wurden die Augenoptiker AO 01 und AO 04 in einem Schulungsraum von einer Mitarbeiterin der Firma Hoya Frau Britta Seeberger begrüßt. Sie war unsere Trainerin und begleitete uns den ganzen Tag. Unser vorbereiteter Tagesplan hatte spannende und sehr interessante Abschnitte. Sie umfassten: Geschichte der Firma HOYA, Informationen zu Produkten, Werksbesichtigung sowie Fragestunde zu Produkten und Herstellung der verschiedenen Gläser.

Die Firma HOYA wurde im Jahre 1941 in Tokio gegründet, wo sich bis heute der Hauptsitz befindet. Seit 1979 ist die Hauptverwaltung/ Zentrale in Mönchengladbach und beschäftigt über 420 Mitarbeiter. In Mönchengladbach verfügt Hoyaer eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. In Hamburg und Österreich befindet sich der Customer Service (Kundenservice) der Firma. Außerdem hat HOYA Liegenschaften in Europa, Asien und Amerika. Die Intraokularlinsen werden in Frankfurt vertrieben. aber Kontaktlinsen nur in Asien und den USA. 

HOYA ist nicht nur ein Glashersteller, sondern auch ein Zulieferer einiger Einzelteile für diverse Mobile Phone – Hersteller. Sie statten ihre Displays mit der entsprechenden elektronischen Optik aus. 

Im weiteren Verlauf unserer Studienfahrt beobachteten wir die Technologie der organischen Gläser. Glasrohlinge werden mit flüssigem Metall aufgeblock und dann werden sie gefräst. Ein Punktfräser mit einer Diamantspitze setzt auf das Glas ganz individuell die torischen oder sphärischen Radien auf. Anschließend werden die Gläser ganz konventionell poliert. Was viele von uns schon wussten, wurde uns nochmals bewusst gemacht. Weit über 90 % der verkauften Kunststoffgläser, sind also organische Gläser. Nur noch ein Minimum an mineralischen Gläsern werden verkauft. 

In einem nächsten Abschnitt der Produktinformation von HOYA wurde uns eine Spezialität der Firma  vorgestellt. Das 1.60 Kunstoffglas mit dem Namen Eyas 1,60. Kein  Polycarbonatglas!!! Es verfügt über eine Dichte von 1,32, einer Abbezahl von 41 und 100% UVA und UVB-Schutz. Eyas ist eine Eigenentwicklung und eben nicht zu schwierig zu verarbeiten wie Polycarbonat.

Dieses Glas ist das beste Material für Nylor – und Bohrbrillen. Auch wir durften uns daran versuchen seine Stabilität zu testen. Einige unserer kräftigsten Auszubildenden versuchten dieses Glas kaputt zubekommen. Jedoch aus eigener Kraft war uns nicht möglich. Außerdem gibt es noch das PNX 1,53. Ein Glas, welches in der Verarbeitung wie ein Polycarbonat ist und deshalb einen extra Schleifstein benötigt. Jedoch ist es widerstandsfähig gegen Alkohole, Aceton, Haarspray etc, was ein normales Polycarbonatglas nicht aushält. Im nächsten Schritt wurden uns die Hartschicht und Entspiegelung vorgestellt.

Die Hartschicht ist ein Tauchlack und kein Plasmaverfahren. Dadurch verfügt das Glas auch über eine langlebigere Haftung und hat den gleichen Brechungsindex wie das Grundglas und somit eine hohe Transparenz und eine Reduzierung der störenden Reflexe.

Die Entspiegelung war zu Anfang ab dem Jahr 1935 ein patentiertes Verfahren der Firma ZEISS. Seit 1939 darf diese Veredelung von allen Glasherstellern verwendet werden. Wenn ein Glas nicht entspiegelt wird, dann wird ein Teil des Lichtes reflektiert und hat somit eine reduzierte Transmission. Je höher die Brechzahl eines Glases wird, um so höher sind die störenden Reflexe auf dem Glas. Sie steigen um ca. 10 % an, wenn es nicht entspiegelt wird. 

Die Farbe der Entspiegelung ist in einem grünen Bereich, da die Farben blau und lila hartwellig und somit unangenehm fürs Auge sind. Die Firma HOYA bietet auch für ihre organischen Sonnenbrillengläser jede beliebige Farbe und Muster an. Man hat die Chance, sogar die blaue Farbe des eigenen Feuerzeuges zu bekommen, wenn man dieses möchte. Uns wurde auch nochmals vor Augen geführt, dass ein Lichtschutz im Sommer sehr wichtig und notwendig ist. Besonders für Kinder unter 10 Jahren, denn sie sind besonders anfällig für Schäden durch UV-Strahlung. Allein im 1. Lebensjahr erreichen 90% der UV – A und 50% der UV – B Strahlen die Netzhaut. Im 10.-13. Lebensjahr erreichen die Netzhaut 60% UV – A und  25%      UV – B der Strahlen. In den Lebensjahren 18 bis 20 werden die gesamten Strahlungen von der Linse, dem Kammerwasser und der Hornhaut absorbiert. 

Natürlich wurden uns noch die phototropen Brillengläser vorgestellt. Bevor der Werksrundgang durch das Glaswerk begann, stellten wir schon viele Fragen. Frau Seeberger beantwortete geduldig unsere Fragen und befriedigte unsere Neugier. Für die Führung wurden wir in 3 kleine Gruppen eingeteilt. Dazu waren zwei weitere Mitarbeiter der Firma HOYA dabei und führten uns durch das Werk. Zuerst besichtigten wir die Auftragsannahme, wo die verschieden Augenoptiker und Kunden ihre Bestellungen auslösen. Es werden auch Reklamationen in dieser Abteilung entgegengenommen. 

Direkt im Anschluss besuchten wir die Abteilung - Fräserei, in der den Gläsern die torischen oder sphärischen Kurven gefertigt werden. Anschließend besichtigten wir die erste Qualitätskontrolle. Hier werden die Gläser zwischen geprüft. Dann ging es in die Färberei. Diese Abteilung verfügt über mehrere Tauchbecken mit all den notwendigen Farben der organischen Sonnenschutzgläser. 

Die Abteilung der Entspiegelung konnten wir leider nur durch eine Tür sehen, da dieser Bereich ein Reinheitsbereich ist. Zum Schluss haben wir noch die Randungsabteilung und Endkontrolle besucht. In der Randungsabteilung werden alle Gläser auf die vom Optiker gewünschte Form geschliffen oder mit dem ganz neuen Automaten gefräst. Das Fräsen ist noch schneller und um einiges präziser. In der Endkontrolle, wie es der Name schon sagt, werden alle Gläser nochmal kontrolliert, bevor sie zur Transmedstelle (Lieferservice über Nacht) gehen. Von dort aus werden sie an den Optiker, der sie bestellt hat, ausgeliefert. 

Nach der Werksbesichtigung genossen wir eine ausführliche Fragerunde. HOYA versorgte uns mit informativen Materialien und betriebstypischen Andenken. Außerdem versorgte uns die Firma mit Getränken und war auch sonst um unser leibliches Wohl bemüht. Was den Mitarbeitern auch sehr gut gelang.

Für uns war es ein sehr interessanter und informativer Tag bei HOYA. Wir können jeden Auszubildenen der Augenoptik nur empfehlen, sich einmal solch ein Glaswerk anzusehen. 

Wir bedanken uns im Namen unserer 38 Mitschüler und unserer  begleitenden Lehrer, Frau Freischmidt und Frau Bergholz, für diesen wunderschönen Tag bei HOYA. Unser besonderer Dank geht an Frau Seeberger. Sie hat mit sehr viel Geduld sich all unserer Fragen angenommen, sie beantwortet und mit den entsprechenden Gläsern veranschaulicht.

Jasmin Detert und Tobias Pällmann (AO 01, AO 04)