Gegen das Vergessen

Unsere heutige Zeit ist sehr hektisch, von Erfolg geprägt und die materiellen Dinge des Lebens stehen im Vordergrund. Die Errungenschaften der Technik verhelfen unseren Menschen zum Vergessen der wahren, wichtigen Dinge des Lebens – dem Frieden, der Ehrlichkeit und der Verantwortung für den Menschen an sich.

Die Wertevorstellungen der Menschen haben sich in eine Richtung Konsum verändert. Es stehen nicht mehr die Menschen, sondern die materiellen Ansprüche der Menschen im Vordergrund. Frau Monika Böhm und Frau Christine Bergholz diskutierten die Thematik und organisierten ein Projekt: „Den Blick gegen das Vergessen gerichtet“. Gemeinsam mit dem Verein „Deutsche Gesellschaft e. V.“ in Vertretung durch Herrn Jan Roessel und den Kolleginnen des Berufskollegs Kartäuserwall in Köln wurde diese Thematik den Schülern präsentiert.

Am 19. Juni 2012 fand im Berufskolleg Kartäuserwall in Köln das Projekt „Den Blick gegen das Vergessen gerichtet“ statt. Ca 60 Auszubildende aus den Bereichen Gesundheit und Medien nahmen an der Veranstaltung teil. Umrahmt wurde das Projekt von einer Wanderausstellung. Sie stimmte die Zuhörer auf die Thematik ein und führte sie mental in die geschichtliche Vergangenheit.

Der stellvertretende Schulleiter des Berufskollegs Kartäuserwall Herr Gerd Wilmschen begrüßte die Anwesenden und eröffnete mit sehr emotionalen Worten die Veranstaltung. Er machte den Jugendlichen bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist in Frieden zu leben. Dies und diese Veranstaltung zeigten wie wichtig es ist „Den Blick gegen das Vergessen gerichtet“ zu haben.

Die Initiatorin Frau Christine Bergholz stimmte die Auszubildenden auf die Veranstaltung ein. Sie erinnerte die Jugendlichen an die Menschen, welche in Armut, Angst und in Regionen leben, wo Kriege toben. Es gibt 192 Länder auf der Welt und davon gibt es ca. 75 Kriegsherde. Dort haben die Menschen nicht genug um ihre Existenzbedürfnisse zu befriedigen. Manchmal könnte man meinen das unsere „Probleme“ darin bestehen: das modernste Handy zu besitzen, die coolsten Klamotten, den schnellsten Rechner und so ähnliche Dinge nutzen zu können. Diese Veranstaltung zeigte den jungen Menschen dass dies nur zu genießen ist, wenn die Menschen in Frieden leben.

Herr Wolfgang Held, persönlicher Referent der Landesgeschäftsführung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberführsorge e. V. begrüßte die Anwesenden und richtete den Blick auf die Geschichte des Landes. 100 Jahre liegt der I. Weltkrieg und 70 Jahre der II. Weltkrieg zurück. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräber e. V. pflegt und gestaltet die Gräber der Gefallenen und auch ziviler Kriegsopfer, kümmert sich um die Geschichte, pflegt den Umgang mit den Toten und veröffentlicht die Schicksale anderer Menschen. Dabei ist es ihnen wichtig, dass die Zuhörer und Leser ihre Gefühle wahrnehmen und über die einfachsten menschlichen Bedürfnisse, wie Freundschaft, Vertrauen, Hilfsbereitschaft u.s.w. nachdenken. Jeder der Anwesenden sollte sich einige Fragen stellen: Welche Gefühle lösen die Schicksale in mir aus? Was bedeuten Freundschaft, und Frieden zwischen den Menschen, den Ländern und den Kontinenten? Herr Held stimmte die Zuhörer auf das Nachfolgende gut ein.

Ein Projekt zwischen Jugendlichen aus Frankreich, Polen und Deutschland wurde in einem Video den Anwesenden gezeigt. Die jungen Menschen führten gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Fotograph Martin Brockhoff in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm auf Usedom einen einwöchigen Workshop durch. Die teilnehmenden Jugendlichen setzten sich mit der Geschichte des II. Weltkrieges und mit den Ereignissen vom 12. März 1945 in Swinemünde auseinander. Ihre bewegten Erlebnisse fassten sie eindrucksvoll in Gedichten, Bildern und Erlebnisberichten zusammen. Dieses Video erreichte durch die gute Reportage und den bewegten Bildern auch die Herzen unserer Auszubildenden.

Der Höhepunkt unserer Veranstaltung war ein Zeitzeugenbericht von Herrn Herbert Weber. Er war am 12. März 1945 in Swinemünde. Alle der Anwesenden haben schon Kriegsberichte und Kriegsfilme gesehen. Doch die bewegenden Worte von Herbert Weber ließen die Zuhörer erstarren und sie konnten die Grässlichkeit des Krieges spüren. 

Alle Anwesenden waren tief gerührt und emotional sehr bewegt. Die Jugendlichen hatten viele Fragen, welche Herr Weber geduldig und ehrlich beantwortete. Er verdeutlichte den Jugendlichen wie die Menschen damals mit dem Krieg umgegangen sind. Trotz der furchtbaren Umstände gab es auch glückliche Momente und man lernte als Jugendlicher den Umgang mit Lehrern und den anderen Erwachsenen. Also gar nicht viel anders als unsere Jugendlichen die ihre Erfahrungen in unserer Schule machen im Umgang mit den Erwachsenen.

Dieses Projekt war gelungen. Die Auszubildenden und alle weiteren Anwesende erkannten wie wichtig es ist „Frieden auf der Welt zu haben“. Der Frieden wird einem nicht geschenkt, man muss immer etwas dafür tun. Diese Erkenntnis haben die Zuhörer gewonnen.

Auf diesem Weg möchten sich alle Zuhörer bei Herrn Herbert Weber und Herrn Wolfgang Held für das Karussell der Gefühle und die Zeitreise bedanken.

Ein weiteres Dankeschön gilt der Deutschen Gesellschaft e. V. in Vertretung durch Herrn Roessel, welcher unter Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend diese Veranstaltung erst ermöglichten.

Christine Bergholz

Studienrätin

Berufskolleg Kartäuserwall, Köln