Planspiel zum Thema "Rechtspopulismus in Europa"

Die Zahntechnikerklassen ZT61 und ZT62 nahmen am 27. und 28.06.2017 im Rahmen des Politikunterrichts an einem Planspiel zum Thema "Rechtspopulismus in Europa" teil. Dieses wurde vom Verein CRISP – Conflict Transformation and Civic Education aus Berlin in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung aus Bonn am BK Kartäuserwall durchgeführt.

Was ist ein Planspiel und welchem Zweck dient es?

Ein Planspiel simuliert in einer kontrollierten Umgebung – in unserem Fall den Klassenräumen des Berufskollegs – die reale Welt.
Dabei werden Alltagssituationen und -gegebenheiten in eine fiktive Rahmenhandlung übertragen. Schülerinnen und Schüler übernehmen dabei die Rolle erdachter Charaktere, welche innerhalb des Planspiels bestimmte Ansichten vertreten und jeweils eigene Ziele verfolgen.
In unserem Fall war das Ziel unseres Planspiels politische Probleme im Zusammenhang mit Rechtspopulismus zu erkennen und gemäß der Beschreibung der vorgegebenen Rolle zu agieren.

Wie waren die Rahmenbedingungen und welche Rollen waren vertreten?

Zu Beginn des zweitägigen Planspiels wurden die Organisatoren – die beteiligten LehrerInnen des Kollegs, die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Planspielteam CRISP-, sowie die Akteure – die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs- einander vorgestellt.
Es folgte eine Einführung in den zeitlichen Ablauf und jeder Schülerin, sowie jedem Schüler wurde sein Charakter zugewiesen.
Jeder der Akteure verkörperte die Rolle eines Politikers, einer Politikerin, oder vertrat eine Interessengruppe innerhalb des fiktiven europäischen Staates Rexania.
Die Rollen reichten dabei z.B. vom Staatsoberhaupt Rexanias, bis hin zu Vertretern von Minderheiten innerhalb des Staates oder Vertretern von Wirtschafts- und Arbeitnehmerinteressen und verschiedenen  politischen Randgruppen.
All diese Charaktere kamen bei einem Gipfeltreffen zusammen, um aktuelle Probleme und Sachverhalte zur Bildung und Sicherheit im Zusammenhang mit der Flüchtlings- und Migrationssituation in Europa und Rexania zu diskutieren und anschließend einen politischen Kurs für die Regierung zu präsentieren.

Wie lief das Planspiel ab?

Die verschiedenen Charaktere kamen zu vorbestimmten Zeiten zusammen und erhielten die Gelegenheit ihre politischen Ziele für Bildung und Sicherheit zu diskutieren und Kompromisse zu finden, oder aber politische Gegner an der Erfüllung ihrer Ziele zu hindern.
Dabei folgten sie der Vorgabe ihrer Charaktere und deren politischer Einstellung.
Konservative und Heimatvereine, aber auch das Linksbündnis und Flüchtlingsvertreter versuchten im Zusammenspiel mit anderen Akteuren ihre Ziele mit in den Regierungskurs einfließen zu lassen. Absprachen wurden getroffen, politische Bündnisse wurden geschlossen, oder Intrigen gegen die jeweilige Opposition geschmiedet. Welche Mittel man einsetzte und wie skrupellos oder umsichtig man dabei agierte, war jedem selbst überlassen.
Zwischendurch wurde der Gipfel durch Nachrichtensendungen, welche von Akteuren selbst produziert wurden, unterbrochen, um über aktuelle Ereignisse in Rexania zu informieren. Natürlich konnten auch diese Nachrichten von den Teilnehmern beeinflusst, oder instrumentalisiert werden. Dabei wurden unter anderem auch "Fake News" zur Durchsetzung von Interessen eingesetzt.
Am Ende des Planspiels fand eine Abschlusskonferenz statt, welche die Ergebnisse der vorherigen Verhandlungen zusammenfasste und einen zukünftigen Kurs der Regierung Rexanias festlegte.

Welche Erkenntnisse nahmen die Teilnehmer aus dem Planspiel mit?

Sämtliche Teilnehmer des Planspiels erkannten, wie schwierig es ist, einen Kompromiss zu finden, wenn verschiedene politische Positionen aufeinandertreffen und, dass dem Einfluss rechtspopulistischer Interessen teilweise nur schwer entgegenzutreten ist.
Ebenfalls wurden aber auch Strategien zum Erkennen rechtspopulistischer Thesen, sowie der Umgang mit rechtem Populismus erarbeitet, sodass sich alle Schülerinnen und Schüler sicherer im Umgang mit politischem Rechtspopulismus und Populismus im Allgemeinen fühlten.
Insgesamt war es eine interessante Erfahrung Politik einmal hautnah, wenn auch fiktiv, selbst mitzugestalten und verschiedene Strategien der Beeinflussung selber auszutesten. Dabei ist uns allen nochmal bewusst geworden, dass wir vor allem populistische Aussagen kritisch hinterfragen sollten.                             
Martin K., ZT61